Fotoausstellung „Landschaft mit Campanile“

Der Erfurter Fotograf Aribert Janus Spiegler hat seine Serie „Landschaft mit Campanile“ fortgesetzt. Ab 2. Juli zeigt er bis Mitte September in der St. Dionysius-Kirche zu Erfurt-Salomonsborn eine Serie von 16 überwiegend neu entstandenen Schwarz-Weiß-Aufnahmen – darunter ein großformatiges Triptychon. Seit 2013 dreht sich Spieglers Werk „Landschaft mit Campanile“ um die zentralen Fragen von Schuld und Verantwortung. Dafür inszeniert er den Campanile, den Glockenturm am Ettersberg. Indem er das Mahnmal für die Opfer des Konzentrationslagers in Sicht- und Kontextachsen zu Gebäuden in und um Erfurt setzt, erlaubt er neue Einsichten in die Geschichte und konfrontiert die Betrachter mit der Frage der Verantwortung.

„Der Ettersberg mit dem Glockenturm ist im gewohnten Umfeld der Ebene einer Stadt wie Erfurt und Weimar meist nicht zu sehen. Erst durch die Wahl eines geeigneten Standortes rückt er ins Bild“, erklärt Spiegler, der für seine Fotoaufnahmen auf Leitern, Türme und Kräne klettert und neuerdings sogar mit einer zehn Meter langen Teleskopstange arbeitet.

Nachdem Spiegler im Frühjahr 2015 erste Fotografien im Erfurter Erinnerungsort Topf und Söhne gezeigt hat, einem Ort der Täter, hat er sich für die aktuelle Ausstellung für eine Kirche entschieden. „Die Bilder werden direkt in Kommunikation treten mit Details des Kirchenraumes. Sie erzeugen damit eine besondere Dialogebene“, sagt Spiegler mit Blick auf das Arrangement der Bilder und der, der Kirche eigenen Symbolkraft.

Das Hauptwerk der Ausstellung stellt ein Triptychon dar. Das Zentralmotiv, der Campanile, wird links von den so genannten klugen Jungfragen mit der Symbolfigur der Ecclesia und rechts von den törichten Jungfrauen mit der zur Seite gestellten Symbolfigur der Synagoga flankiert. Die Motive sind Darstellungen des Triangelportals am gotischen Erfurter Dom. „Bezugnehmend auf das Matthäusevangelium geht es um die Frage des Erreichens des Himmelsreiches. Wer ist würdig um im Himmelreich eingelassen zu werden? Wer ein Leben lang danach gelebt, oder wer nur darauf vertraut hat?“, erläutert Spiegler. „Die Zuordnung der Ecclesia zu den klugen und der Synagoga zu den törichten Jungfragen thematisiert die Frage des rechten Glaubens, die im Prozess des dogmatischen und intoleranten Umgangs mit Andersgläubigen vor allem mit Gewalt zur Katastrophe führt“, sagt Spiegler. Dies habe die Menschheit vor allem im 20. Jahrhundert schmerzhaft erfahren müssen.

Wie aktuell die im Rahmen der Ausstellung hergestellten Bezüge sind, verdeutlicht dem Betrachter spätestens die Aufnahme der Protestkreuze in Marbach, die Gegner des Baus einer Moschee aufgestellt hatten. Pfarrer Ricklef Münnich: „Diejenigen, die die zwölf Kreuze in Marbach neben dem Grundstück für einen geplanten Moscheebau aufgestellt hatten, wollten christliche Werte des Abendlandes verteidigen. Der Fotograf Aribert Janus Spiegler hat genauer hingesehen. Er entdeckte im Hintergrund am Horizont den Glockenturm von Buchenwald – von ihm „Campanile“ genannt.“ Mit den Fotografien zeige er die Ambivalenz der Werte und der Zwiespältigkeit der Erfurter Geschichte, die heute nicht mehr ohne den Abgrund gesehen werden kann, den der „Trichter“ unterhalb des Buchenwald-Turmes symbolisiert.